Sonntag, 25. September 2011

Der Döner in mir: Ein Tag auf der Döga.

Taktisch klug war es mit Gewissheit nicht, vor dem eigentlichen Wettbewerb schon das „All you can eat“-Angebot in Anspruch zu nehmen. Und doch ging das Wettessen erfolgreich zu Ende. Mein persönliches Ziel habe ich erreicht: zwei Döner in 20 Minuten – damit kann man arbeiten.

Der mächtige Döner-Roboter
Arbeiten mit Döner – das ist das Motto der Döga, der Döner & Gastronomie Messe, die dieses Wochenende zu zweiten Mal stattfand. Die erste Auflage 2010 gelangte zu gewisser medialer Berühmtheit durch den Ausspruch „Eines Tages wird der Döner den Menschen ersetzen“ - ein Versprecher des Döga-Vorstandvorsitzenden vor laufender Kamera. 2011 wurde der Kult-Spruch sogar zu Werbezwecken eingesetzt: Auf der Website heißt es: „Seien Sie auf der DÖGA dabei, wenn 'der Tag kommt, an dem der Döner den Menschen ersetzt'!“ Die Messe lebt zu einem nicht unerheblichen Teil von ihrem schrägen Image.

Und doch wird einem beim Besuch bald bewusst: Hinter dem beliebten Fastfood steckt eine florierende Industrie. Auf der Döga stellen sich nicht nur Fleisch-, Brot- und Käseproduzenten („die vegetarische Alternative“) vor. Von Kühlsystem- und Dönerdrehmotor-Herstellern über Sicherheits- und Arbeitskleidungs-Dienstleister bis zu Netzwerkadministratoren und Daimler-Benz hat scheinbar jede Branche einen Stand, die irgendwie mit der Döner-Produktion zu tun hat. Doch dafür interessiert sich die Mehrzahl der Gäste am Messe-Sonntag nur am Rande.
Kostenlos? Nichts wie rein!

Denn die Besucher der Döga dürfen nicht nur einen Blick auf die neuesten Schneide-Maschinen, Dreh-Motoren und Würzmischungen werfen – vor allem dürfen sie kosten. Im oberen Stockwerk des alten Berliner Postbahnhofs präsentieren sich die Dönerlieferanten, -Lokale und -Imbisse und laden zur Kostprobe ein. Die besteht bei den wenigsten aus einer kleinen Plastikschale mit ein bisschen Fleisch, Salat und Soße. In aller Regel gibt es direkt das komplette Döner-Brot „mit allem“ auf die Hand.

Der Höhepunkt ist für 14 Uhr angesetzt. Döner-Wettessen. Die wiederholten Aufrufe und Überredungsversuche der Döner-Damen am Stand machen einen fast verzweifelten Eindruck. Weit gefehlt: Am Ende werden zwischen 18 und 20 Teilnehmer ausgelost – so genau nimmt man es hier nicht. Die „Hauptsache“: Ich bin dabei.

Fight until you can't!
Dummerweise gab es zuvor hier und da schon Kostproben – von Hunger kann also keine Rede sein. Appetit... naja, schon eher. Der vergeht mir ja so schnell nicht, schon gar nicht, wenn es immerfort so gut riecht wie auf der Döga. Auf den Hauptpreis von 500 Euro mache ich mir trotzdem keine Hoffnung.

Und so wird gestopft. In der ersten von zwei Gruppen hat jeder der zehn Teilnehmer fünf Dönerbrote vor sich liegen. Schlicht und gut: weiches Brot, knuspriges Fleisch, viel Grünzeug, eine Tomate. Immer rein damit. Geht ja ganz gut. Der erste Döner ist fast weg. An den Typen zwei Tische weiter komme ich schon jetzt nicht mehr ran – kaut der überhaupt? Egal. Mein Ziel habe ich mir selbst gesetzt: Zwei Döner müssen es schon sein in den 20 Minuten.

Es scheitert gar nicht mal so sehr am Magen. Okay, der ist enorm gebläht. Viel mehr wäre da nicht gegangen, ohne... egal. Das fiese an der Döner-Schlacht ist das Brot, das am Ende einer jeden Portion ohne Beilage verputzt werden muss und im Mund immer größer und größer wird.

Der Herr oben links hat gut lachen. Nur warum?
17 Minuten sind vorbei. Mein direkter Nachbar kaut noch an seinem ersten Döner und erntet böse Blicke vom Tisch-Juror. Gut so, das lässt mich glänzen. Ich versuche noch, die Brot-Reste der zweiten Portion mit ein wenig heruntergefallenem Salat schmackhafter zu machen, spüle mit Wasser nach. Währenddessen ist alle Aufmerksamkeit von Zuschauern und Presse, alle Videokameras, Fotoapparate und Hoffnung auf die beiden Männer gerichtet, die an Döner fünf und sechs kauen. Ein Stuhl wird gebracht: Einer der beiden will sich setzen. Und isst weiter.

Zwanzig Minuten. Ende. Drei (bis auf die herunter genaschten Tomaten) unangetastete Döner liegen vor mir. Ich sehne mich nach einem Verdauungsschlaf und verlasse die Döga. Mit einem guten Gefühl (außer im Bauch) nach dem Erfolgserlebnis (hey, ich war nicht der Langsamste!). Und mit vollen Taschen.

Sieg - doch um welchen Preis?
Allerlei Flyer von Dönerproduzenten, dem Titanic Hotel („Ich hoffe, es steht nicht am Wasser?“ - „Nein, natürlich nicht.“) und einem Dönerdrehmotor-Hersteller. Der Mann am  Dönerdrehmotor-Stand stattet mich auch noch mit Werbung für seinen Computer-Handel und seinen Parfüm-Versand aus. „Schreib mich einfach an, dann schicke ich dir eine Preisliste. Viel günstiger alles als in anderen Geschäften!“ Hoffentlich auch mit Zwiebel-Duft.

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